Sonntag, 6. August 2017

Rantasten ...


Vor zwei Wochen habe ich euch Nisha, Akuma und Kirana vorgestellt und ein bisschen von meinem neuen Projekt Schattenlied erzählt.
Gezeichnet habe ich leider nicht mehr, denn ich war jetzt mehr mit dem Schreiben beschäftigt. Und inzwischen bin ich um erste Schreibversuche und um die 10.000 Worte weiter, suche aber immer noch nach dem richtigen Ton.
Ich werde noch ein Kapitel schreiben, dann ist der erste Teil fertig, und ich muss ihn noch einmal genau durchgehen, um Nishas Stimme zu finden. Momentan kommt sie (oder wohl eher ich) noch viel zu oft ins Plaudern, weil ich noch nicht so ganz die Balance gefunden habe die Informationen für die Welt einzuweben, ohne den Fluss der Geschichte zu stören. Aber es ist ja auch erst ein erster Versuch, das kann noch werden, ich glaube an Nisha und mich! ;)

Die Geschichte ist in eine Rahmenhandlung in der Gegenwart und in die eigentliche Geschichte in der Vergangenheit unterteilt.
Das Bild hier ist inspiriert von einer Begegnung in der Gegenwart und kommt aus den ersten Seiten.



Hier ist die Textstelle dazu:

„Nicht so schnell, Nisha”, sagt er endlich und der Klang meines Namens aus seinem Mund drückt mir die Kehle zu.
Er tritt aus den Schatten. Die Spitze meines Schiavonas zeigt auf ihn, aber ich bewege mich nicht. Seine Hände sind leer, die Waffen stecken noch in der Stoffbahn um seine Hüfte. Warum hat er sie nicht gezogen? Sein Hut ist ein Stück nach hinten gerutscht, auf sein Gesicht scheint Mondlicht, und ich sehe in seine Augen, in denen sich die Schwärze der Nacht spiegelt und schlucke gegen die Enge in meinem Hals an. Die dünnen, braunen Haare hat er zu einem Zopf gebunden, seine Stirn liegt in Falten. Er sieht mich mit der gleichen Strenge an, mit der er mich vor acht Jahren angesehen hat, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Als wäre ich schon wieder an einem Ort, an dem ich nicht sein sollte und genau genommen bin ich das auch. Hatte er damals schon so viele Falten um die Augen? Das Schiavona sinkt ein kleines Stück nach unten, und ich schaffe es nicht, es wieder hochzuheben. Der Mann, auf den es zeigt, war wie ein Vater für mich. Ein Vater, den ich verraten habe.


Hier noch die Textstelle zur ersten Begegnung vor acht Jahren:

Das Rauschen stoppte und die Luft wurde kälter. Ich riss die Augen auf. Im ersten Moment sah alles aus wie immer. Dann bemerkte ich die Dunkelheit, die wie eine dicke Wand die vier Wege absperrte, die von dem Platz ins Viertel führten. Undurchdringlich, unruhig. Es war, als bewegte sich etwas in ihr. Ich legte die Arme um meinen Körper. Etwas hatte sie aufgescheucht. Etwas, das auf mich wartete.
Raus. Ich musste sofort von diesem Platz.
„Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit”, murmelte ich, ballte die Hände zu Fäusten und lief geradewegs auf einen der vier Wege zu.
Ich musste nur durchlaufen, sie konnte mir nichts machen, sie hatte mir noch nie etwas gemacht. Ich war nicht die, die sie aufgescheucht hatte. Aber sie war wie ein wildes in die Enge getriebenes Tier, das auf jeden losspringen würde, der ihr zu nahe kam. Egal, wie oft ich mir vorsagte keine Angst haben zu müssen, ich kam nicht an gegen die Enge in meinem Brustkorb, die mit jedem Schritt stärker wurde. Meine Muskeln verspannten sich, und ich musste mich zwingen weiterzugehen. Auf die Dunkelheit zu, die fremd war, obwohl die Nacht mein zu Hause war. Ich durfte nicht stehenbleiben, sonst würde das, was sie aufgescheucht hatte, mich finden.
„An deiner Stelle würde ich hier bleiben”, erklang eine tiefe Stimme hinter mir.
Ich fuhr herum und ging einen Schritt zur Seite. Fünf Schritte von mir entfernt stand ein Mann, das Gesicht unter der breiten Krempe eines Huts verborgen. Ich wich einen Schritt zurück und stieß gegen die Wand einer der Hütten, die um den Platz standen. Der Mann trug eine dunkle Rüstung über der Brust und sein an den Schultern weitgeschnittenes Hemd war über der Hüfte mit einer Stoffbahn zusammengebunden. Mein Blick fiel auf das Schwert mit dem eleganten Griffkorb, das zwischen dem Stoff in einer Schwertscheide steckte. Die Spitze reichte über den Saum der dunklen Lederstiefel hinaus. Erst als ich den Katzenkopf am Ende des Griffs erkannte, wusste ich, was es sein musste. Der Mann hatte kein normales Schwert, er hatte ein Schiavona, er war mehr, als eine einfache Wache. Ich tastete nach der Ecke der Hütte, krallte mich daran fest und suchte unter dem Schatten der Hutkrempe nach seinen Augen.
Wenn er kein Gesicht hat?, schoss es mir durch den Kopf.
Dann dachte ich nicht mehr. Mit einem einzigen Satz sprang ich auf den Weg und rannte, hinein in das tiefe Schwarz.


Okay, das wars erstmal. Ich hoffe, die Textstellen haben euch neugierig auf Nishas Geschichte gemacht & drückt mir die Daumen, dass ich bald den richtigen Ton finden werde!

Noch einen schönen Sonntag für euch, bis bald & viele Grüße,

Kryps

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen